Die Anordnung der Fragen im Fragebogen

Welchen Einfluss hat die Reihenfolge der Fragen in der Umfrage?

Die Reihenfolge der Fragen im Fragebogen kann einen großen Einfluss auf die Antworten haben. Zunächst einmal müssen die Befragten ermuntert werden, in die Befragung einzusteigen. Dies ist insbesondere schwierig, wenn die Befragten kein natürliches Interesse an der Befragung haben. Als Eröffnungsfrage sollte dann eine Frage gewählt werden, welche das Interesse der Befragten weckt und welche die Befragten auch leicht beantworten können.

Im anschließenden Verlauf der Fragen auf dem Fragebogen muss darauf geachtet werden, dass die Fragen sich nicht gegenseitig beeinflussen: Zum einen kann eine Frage spätere Fragen dahingehend beeinflussen, dass die Befragten versuchen, möglichst konsistente Antworten zu geben. Konsistenzeffekte oder Assimilationseffekte könnten beispielsweise bei folgender Frageabfolge auf dem Fragebogen auftreten:

Frage 1: Sind Sie der Meinung, dass die Staatsverschuldung abgebaut werden muss?

Frage 2: Sollte zur Erhöhung der Einnahmeseite des Staates die Steuern erhöht werden?

Ist eine Person der Meinung, dass die Staatsverschuldung abgebaut werden müsste, so wird der Befragte bei Beantwortung der zweiten Frage seine Antwort auf die erste Frage mit einfließen lassen.

Bei der Anordnung der Fragen auf dem Fragebogen kann nach dem Trichteransatz vorgegangen werden: Bei diesem Ansatz gehen Sie von dem Generellen hin zum Spezifischen. Bei einer Kundenbefragung oder bei einer Mitarbeiterbefragung starten Sie demnach mit einer Frage zu der allgemeinen Zufriedenheit und fragen anschließend die spezifischen Punkte der Mitarbeiterzufriedenheit bzw. Kundenzufriedenheit ab. Manchmal kann auch der entgegengesetzte Ansatz vom Spezifischen zum Allgemeinen sinnvoll sein. Nach Malhotra ist dies der Fall, wenn die Befragten keinen starken emotionalen Bezug haben oder wenn sie keine formulierte Sichtweise haben. (Malhotra 1999)

Grundsätzlich ist bei der Positionierung der Fragen auf dem Fragebogen darauf zu achten, dass die Reihenfolge logisch ist. Es sollten also die Fragen thematisch in Blöcke oder Abschnitte auf dem Fragebogen angeordnet werden. Während der Befragung leiten Sie dann mit Hilfe von Überleitungsfragen von einem Thema zum nächsten über. Heikle Fragen oder demographische Angaben sollten an das Ende des Fragebogens gesetzt werden.

Die Antwortkategorie „Keine Angabe“ oder „Weiß nicht“

Ein alter Streit unter Fragebogenforschern ist die Frage, ob eine Kategorie „Keine Angabe“, „Weiß nicht“ oder Ähnliches durchgängig angegeben werden soll oder nicht.

Fügt man eine solche Kategorie ein, so ist die Antwort auf die eigentliche Frage nicht mehr verpflichtend. Bei Fehlen einer solchen Kategorie wurde beispielsweise gezeigt, dass die Befragten irgendetwas bewerten. (Graeff 2002)

Eine andere Studie zeigt jedoch, dass eine solche Kategorie als Fluchtkategorie gesehen werden kann, so dass die „kognitive Beanspruchung“ der Befragungsteilnehmer sinkt. (Krosnick et al. 2002)

Heikle Fragen

Insbesondere bei Interviewer-administrierten Fragebögen entstehen bei heiklen Fragen oder sensiblen Fragen Effekte sozialer Erwünschtheit: Die Befragten antworten so, wie es politisch korrekt ist. Typische Beispiele sind Fragen nach politischen Einstellungen oder zum Sexualverhalten.

Die Soziale-Erwünschtheits-Skala

Man kann verschiedene Techniken nutzen, um die Validität der Antworten auf heikle Fragen zu erhöhen oder zumindest zu kontrollieren (zur vertiefenden Darstellung siehe Ostapczuk 2008): Zum ersten kann man die soziale Erwünschtheit im Fragebogen messen. Hier überprüft man mit bestehenden Skalen – zum Beispiel der „Sozialen-Erwünschtheits-Skala“ – wie ehrlich ein Befragter diese Skalen beantwortet hat und schließt diesen Befragten bei zu hohen Werten aus. Allerdings wird bei diesem Ansatz nicht die Ehrlichkeit der Beantwortung der heiklen Fragen erhöht.

Die (wahrgenommene) Anonymität erhöhen

Eine zweite Technik zur Erhöhung der Validität bei heiklen Fragen im Fragebogen ist, dass Druck auf den Befragten ausgeübt wird. Dies kann beispielsweise geschehen, indem der Befragte während der Befragung an einen Lügendetektor angeschlossen ist.

Die dritte – und wahrscheinlich beste – Technik besteht darin, dass die (wahrgenommene) Anonymität erhöht wird. Dies kann gemacht werden, indem im Fragebogen vor der entsprechenden Frage nochmals die Anonymität hervorgehoben wird. Ebenso kann die wahrgenommene Anonymität während der Befragung durch geschlossene Umschläge oder Ähnliches erhöht werden. Bei der Technik der Erhöhung der Anonymität kann man auch versuchen, die Frage nicht ich-bezogen zu stellen: „Was, glauben Sie, würden die meisten Menschen auf folgende Frage antworten …“ An Stelle der „meisten Menschen“ können auch Freunde oder Nachbarn herhalten.

Die Randomized-Response-Technik

Eine andere interessante Vorgehensweise zur Erhöhung der Anonymität während der Umfrage ist die Randomized-Response-Technik: Die Frage wird einmal positiv, einmal negativ gestellt. Während der Befragung wird nun durch Zufall festgelegt, ob der Befragte die positiv gestellte Frage beantwortet oder die negativ gestellte Frage. Diese zufällige Festlegung erfolgt beispielsweise durch den Geburtsmonat oder durch Würfeln. Dem Interviewer ist die zufällige Festlegung allerdings nicht bekannt, er weiß also nicht, ob sich die Antwort „Nein“ auf die positiv oder die negativ gestellte Frage bezieht. Bei der Auswertung kann dann mit Hilfe der Wahrscheinlichkeitsrechnung ausgewertet werden, wie die Befragten insgesamt die heikle Frage beantwortet haben. Genau dies birgt aber später Schwierigkeiten, wenn man bi- oder multivariate Auswertungen durchführen möchte.

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